Sonntag, 2. Oktober 2005

Niemandsland Zakynthos

Zurückgefallen aus meinem Niemandsland Zakynthos. 2 Wochen sind viel zu kurz und doch so dicht an neuen Erfahrungen und Eindrücken - Zeitkompression, Veränderungen, vielschichtige Kommunikation - alles dabei.
Muss erstmal verarbeiten, sortieren.
Und wie jedes Jahr stellt sich mir jetzt schon die Frage - Werd ich nächstes Jahr wiederkommen? Kann man immer wieder ins gleiche Niemandsland abtauchen? Oder gibts für jeden Sinn ein eigenes Niemandsland?...
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Samstag, 28. Mai 2005

Sind wirklich alle gleich? - Embryonen im zwei- und vierzell-Stadium sind nicht totipotent

Entgegen gängiger Lehrmeinung haben Zellforscher herausgefunden, dass die Zellspezialisierung früher als angenommen stattfindet.

An Drosophila (Fruchtfliegen) und Mäusen zeigten sich erstaunliche Unterschiede in der Differenzierung. Bei Drosophila sind schon Embryonen im Zweizell-Stadium differenziert, bei Mäusen zeigen sich ab dem Vierzell-Stadium Unterschiede.

Drosphila

Schon im Ei gibt es Konzentrationsunterschiede verschiedener Moleküle, die bei der Teilung der befruchteten Eizelle ihr Schicksal bestimmen. Hier gibt es ein "Konzentrationsgitter" das nicht flexibel ist. Teilt man das Zweizell-Stadium bekommt man nicht Zwillinge sondern ein Vorderende und ein Hinterende.

Mäuseembryonen

Teilt man Mäuseembryonen im Zweizell-Stadium und lässt einen Teil weiterwachsen wird eine vollständige Maus daraus.
Dieses Verhalten führte lange Zeit zu der Annahme, dass Zellen in frühen embryonalen Stadien totipotent seien und das dies bis zum Achtzell-Stadium möglich sei.

Magdalene Zernicka-Goetz 2005 - Wellcome Trust/Cancer Research UK Gurdon Institute, Cambridge

Ihr Team fand heraus dass sich Mausembryonen sogar schon im Vierzell-Stadium unterscheiden. Die Zellen des Embryos wurden gelabelt (gefärbt und markiert) um ihren weiteren Weg zu verfolgen. Einige Zellen teilen sich longitudinal, andere lateral. Separiert man Zellen aus der longitudinalen Teilung, so entwickeln sich 85% weiter. Zellen aus der lateralen Teilung entwickeln sich nur zu 30% weiter. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Zellen nicht totipotent sind, jedoch sind sie flexibler als die Drosophila Embryonen. Ein molekulares Gitter wie bei Drosophila konnte man nicht finden.

Richard Gardner, University of Oxford, stimmt zu, allerdings mit einem Einwand

Die Experimente zeigen Unterschiede, allerdings könne man durch die massiven Eingriffe noch
nicht erahnen was das für eine normale Embryonenentwicklung bedeute. Er riet zur Vorsicht bei Methoden die eine Zelle des Embryos für genetisches Testen herausnehmen Präimplantationsdiagnostik.
Anders Zernicka-Goetz die meint, Embryonen sind flexibel genug, ein bis zwei Zellen weniger machen keine Probleme.


Quelle:
NewScientist 12. Mai 2005, No 2490, S 15,
Karolina Piotrowska-Nitsche, Aitana Perea-Gomez, Seiki Haraguchi and Magdalena Zernicka-Goetz. 2005, Four-cell stage mouse blastomeres have different developmental properties, Development 132, 479-490


Klea

Dienstag, 17. Mai 2005

Biologie vs Biologismus - Vortragsserie zum Beitrag der Lebenswissenschaften zu einem rationalen Weltbild - Wiener Urania 21. April 2005

Die Referate spannen den Bogen von den Anfängen der Volksbildung bis heute - von der Zoologie über Wissenschaftstheorie, Anthropologie bis zur Molekularbiologie.

Die Geschichte der Biologie und die Wiener Volksbildung
In der Einleitung umriss Ferdinand Starmühlner, Biologe, die Geschichte der biologischen Wissenschaft in Wien, die vorerst ohne philosophische Fragestellungen rein deskriptiv war. Erst mit Rupert Riedl wurde die Theoretische Biologie eingerichtet. Schon damals waren die Bemühungen da, biologisches Wissen der Bevölkerung näher zu bringen. Demonstrationen in der Zoologie waren relativ einfach, das Fernsehen zeigte erste Filme, als Beispiel sei hier die Serie von Otto König genannt. Die Wiener Urania bemüht sich bis heute Wissenschaft populär zu machen.

Die Rolle der Biologie als Ideologie
Karl Edlinger, Naturhistorisches Museum Wien, sprach über den Trend in Metaphern zu sprechen, in Biologismen oder Physikalismen. Im 18. Jhdt. wurde die künstliche Ente in Form einer Maschine gebraucht um die Natur zu erklären. Dies sei bis heute zum Beispiel in der Chemie und Physik so üblich. Er zitierte aus dem Brockhaus, der Biologismus als unterschiedliche philosophische Betrachtungsweise sieht, die ein realistisches Abbild der Natur liefern müsse. Die Soziobiologie, heute ein eigenständiger Wissensschaftszweig sei aus erkenntnistheoretischen, soziologisch - geschichtsphilosophischen und ethischen Strömungen hervorgegangen.

Biologie als Leitwissenschaft - ohne Biologismus
Franz Wuketits, Inst. f. Wissenschaftstheorie und -forschung - Universität Wien, konfrontierte das Publikum mit einem Zitat von Lorenz "Ich finde in der Natur Beispiele für und gegen Alles" und einer Aussage eines Prof. aus Göttingen "Es steckt sehr viel Natur in unserer Moral aber keine Moral in der Natur". Die Biologie wird oft als Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts angesehen. Seiner Meinung nach aufgrund ihrer "Bedeutung für unser Welt- und Sachverständnis". Als besonders zentral nannte er die Evolutionstheorie, die weitreichend auch Einfluss in philosophische Disziplinen der Erkenntnistheorie und Ethik hat. Hier wird seiner Meinung nach sehr oft zu unrecht der Biologismus-Vorwurf erhoben.

Anthropologische Rassenkunde im Licht molekularbiologischer Erkenntnisse
Harald Wilfing referierte über die Geschichte der Anthropologie im 19. Jahrhundert, bis hin zur negativsten Auslegung der "wissenschaftlich" untermauerten Rassenpolitik der Nationalsozialisten. Erst in neuester Zeit konnten durch molekularbiologische Forschung gezeigt werden, dass die historische Rassenkunde überholt ist. Dazu ein treffendes Zitat von Luca Cavalli-Sforza, Humangenetiker, "Wir sind alle verschieden und doch gleich". Zum Beispiel können zwei nach historischer Rassenkunde den Engländern zugeordneten Menschen genetisch verschiedener sein als ein "Engländer" und ein "Südamerikaner".

Vom Genotyp zum Phänotyp
Ivo Hochacker, Inst f Theoretische Chemie - Universität Wien, beschloss die Vortragserie mit aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Genomforschung. Die Sequenz alleine zu kennen erklärt noch nicht den Organismus. Auch wenn das menschliche Genom entschlüsselt ist, dh. die DNA-Sequenz bekannt ist, könne man nicht direkt auf das Äußere, dem Phänotyp schließen. Auch wenn sehr viel Sequenz auf der DNA gar nicht für ein bestimmtes Protein kodiert, weiß man noch lange nicht ob das wirklich "junk-DNA" also "Unsinn-DNA" ist. In einer Studie vom Januar 2005 zeigte sich, dass eben genau solche nichtkodierende Regionen auf der DNA für eine Zelldifferenzierung zuständig sein können.


Quelle: Wiener Urania und Mitschrift
Klea

Samstag, 14. Mai 2005

Dritter Gentechnikbericht fertiggestellt

243 neue Anträge und 35 neue gentechnische Anlagen – Genomforschungprojekt "Gen-au" – GVO Mais für Import zugelassen – vermehrte Sicherheitsforschung

Der dritte Bericht umfasst den Zeitraum von 1. Juni 2001 bis 1. Juni 2004. Er wurde von der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen und im Einvernehmen mit der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Auftrag gegeben und von der Gentechnikkommission erstellt.
Der Bericht umfasst alle in Österreich durchgeführten Arbeiten mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in geschlossenen Systemen, Information über das Freisetzen von GVO, Inverkehrbringen von Erzeugnissen und durchgeführte Genanalysen und Gentherapien am Menschen.
  • Insgesamt wurden 243 neue Anträge für Arbeiten mit GVOs und 35 Anträge für neue gentechnische Anlagen gestellt. Die Autoren des Berichtes führen dies auf die Neuansiedelung von Betrieben zurück.
  • Im Bereich Gentherapie wurden keine Anträge gestellt.
  • Für Freisetzung von GVOs und Inverkehrbringung von Erzeugnissen aus GVOs wurden keine Anträge gestellt.
  • Im September 2001 wurde vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur das Genomforschungsprogramm ("GEN-AU") ausgeschrieben. Österreich erhofft sich dadurch eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit in diesem Forschungsgebiet. Im Bericht heißt es "die Ergebnisse der Genomforschung sollen zu einem neuen Bild und Verständnis über Ursachen und Abläufe von Lebensvorgängen verhelfen, sowie zu einem besseren Verständnis der Ursachen menschlicher Erkrankungen und zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapien beitragen. Aber auch die Bekämpfung von Tier- und Pflanzenkrankheiten könne durch Erkenntnisse aus der Genomforschung erhebliche Fortschritte machen "
  • Am 19. Mai 2004 wurde in der EU der Mais (Zuckermais) BT11 für den Import zu Nahrungsmittelzwecken zugelassen, obwohl sich eine Reihe von Mitgliedstaaten (darunter auch Österreich) dagegen aussprach.
  • Im Bereich Sicherheitsforschung wurden unter anderem Monitoring von mit gentechnisch verändertem Mais kontaminierte Maisfelder durchgeführt, GVO-freie Bewirtschaftungsgebiete, "Concepts of Coexistence", Toxikologie und Allergologie von GVO-Produkten und Transgene Obstbäume untersucht.
Die Gentechnikkommission
Sie ist mit drei wissenschaftlichen Ausschüssen im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen eingerichtet. Im Gesundheitsministerium ist eine Geschäftstelle eingerichtet.
Die Gentechnikkommission berät die Behörde über grundsätzliche Fragen der Anwendung der Gentechnik.

Gentechnik in Österreich
Jede Arbeit mit GVO in geschlossenen Systemen dh. im Labor ist anmelde- bzw. genehmigungspflichtig. Es gibt 3 Sicherheitsstufen.

Österreich und die EU
Österreich und die EU haben verschiedene Ansichten bezüglich Freisetzung und Inverkehrbringen von Erzeugnissen die aus GVO bestehen.
Österreich setzt sich weiterhin gehen die Zulassung von GVOs ein.

EU
Es gibt eine neue Freisetzungsrichtlinie, die auch Österreich am 23.10.2004 im Nationalrat verabschiedet hat.

Quelle: APA.OTS

Niederösterreich bekämpft funktionellen Analphabetismus - rund 60.000 Menschen betroffen – Projekt Basisbildung wird zusätzlich von der Landesregierung und vom AMS unterstüzt

Das Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich bietet seit August 2004 vermehrt Kurse über das Projekt "Basisbildung" an. Am 3. Mai 2005 beschloss die NÖ Landesregierung dieses Projekt mit 54.994,30 Euro zu unterstützen. Das AMS NÖ unterstützt noch zusätzlich mit 318.277,22 Euro. Insgesamt stehen dem Projekt 382.671,52 Euro zur Verfügung.

Was sind funktionelle Analphabeten?
Lesen, Schreiben und Rechnen – bei großen Problemen spricht man von funktionalen Analphabeten.

Petra Bohuslav – Landesrätin
Analphabetismus habe nichts mit niedrigem Intelligenzquotienten zu tun. Gründe lägen sehr oft in der Kindheit und in den ersten Schuljahren. Funktionaler Analphabetismus führe zu Isolierung und beruflichen Problemen.

Kursangebot – für Teilnehmer kostenlos
Zehn Kurse sind bis Ende März 2006 vorgesehen. Die Kursleiter sind Mitarbeiter der NÖ Lehrerbörse.


Quelle: APA.OTS 3.Mai 2005

Sonntag, 1. Mai 2005

Frauen in der Wissenschaft: Ein Symposium im Wiener Parlament

Frauen in akademischen Positionen sind immer noch in der Minderheit – Drei Wissenschafterinnen referieren


Lydia Miklautsch (Germanistin) führte auf Einladung von Barbara Prammer (Präsidentin des österreichischen Nationalrates) durch das Symposium im Parlament.
In akademischen Positionen sind Frauen in der Minderheit während die Anzahl der externen Lektorinnen und der Wissenschafterinnen mit befristeten Verträgen relativ hoch ist.
Es referierten Ina Wagner (Professorin und Leiterin des Instituts für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der Technischen Universität Wien), Gabriele Fischer, (Professorin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Margit Reiter (Zeithistorikerin).


Ina Wagner über Berufsbiographien von Wissenschafterinnen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich – positive Veränderungen, aktuelle Probleme und frauenfördernde Maßnahmen

Positive Veränderungen:
Es habe unter den Frauen in den letzten Jahren eine starke Professionalisierung gegeben. Kreative Möglichkeiten im naturwissenschaftlich-technischen Bereich werden sehr geschätzt. Begriffe wie Erfolg, Macht haben , etwas bewirken können, auf der Bühne stehen seien mittlerweile nicht mehr negativ besetzt. Wissenschafterinnen werden vom ihrem Umfeld stark gefördert (Mentor /in).

Aktuelle Probleme:
Organisatorische Aufgaben würden Frauen oft „zugeschoben“. Frauen tendieren sich selbst zurückzunehmen.
Weiterhin ungelöst ist die Kinderbetreuung.

Frauenfördernde Maßnahmen:
Dazu zählt Wagner Mentoring, Coaching, Partnerschaften mit Unternehmen, die Hebung
der Präsenz von Frauen in Entscheidungsgremien, die spezielle
Förderung von Projekten mit hohem Forscherinnenanteil und
gezielte Nachwuchsförderung.
Frauen müssten lernen, gute Förderungsanträge zu schreiben und mit der Bürokratie entsprechend umzugehen.

Gabriele Fischer: Die gläsernen Decke in der Medizin - Frauenanteile - Karrierehindernisse - Frauenförderung

Frauenanteile
93 Prozent der DiplompflegerInnen sind weiblich. Es gibt nur 7% Professorinnen an den Medizinischen Universitäten. Europaweit liegt Österreich damit an 11. Stelle.
Der Frauenanteil ist nur in Fächern mit geringerem Sozialprestige höher (Psychiatrie, Physikalische Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin)

Karrierehindernisse
Fehlende Netzwerke
zu wenige Mentorinnen,
zu wenig Fürsprecherinnen.
Habilitationskommissionen fungieren noch immer als männerbündlerische Initiationsrituale
Frauen seien kaum in den Berufsorganisationen vertreten
Arbeitssituation an den Unis und Spitälern nicht frauengerecht
Frauen planen ihre Karrieren nicht bewusst oder sehr spät

Effektive Frauenförderung
budgetäres Anreizsystem
Leistungsvereinbarungen

Margit Reiter: Aktuellen Problemen von Wissenschafterinnen der mittleren Generation - Freie Wissenschafterinnen führen ein Doppelleben - Befristete Verträge - Stipendien altersbegrenzt

Doppelleben
Geschätzte 5000 freie Wissenschafter und Wissenschafterinnen forschen "am Rande oder außerhalb der Universitäten"
Situation der Externen Lektoren weiter verschlechtert: "weniger Externe, zu immer weniger Lohn"

Befristete Verträge
Doppelleben Forscherin und Lektorin mit befristeten Verträgen verhindere eine kontinuierliche Forschung

Altersgrenze
Altersgrenze bei Gewährung der Stipendien.
Stringenter Karrierreverlauf gibt es schon lange nicht mehr, alternative Lebens- und Berufsmodelle werden durch Altersgrenzen verhindert.
Wissenschafterinnen werden jahrelang aufgebaut, durch Altersgrenzen entzieht man ihnen die finanzielle Basis.

Quelle: APA.OTS

Anmerkung in eigener Sache

Ich distanziere mich ausdrücklich vor oben eingeblendener Werbeeinschaltung, die twoday.net allen Lesern, die durch Google hierher gefunden haben, aufs Auge drückt.

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